Der Medaillen-Jäger


Interview: Björn Kilian Fotos: Rikard Alm, Paul Brilisauer
Rikard Alm

Rikard, wie bist du eigentlich zur Jagd und zum Sportschießen gekommen?

Alm: Ich habe meinen Vater und Großvater schon als Kind zur Jagd begleitet. Da wurde die Passion für Natur, Wild und Waffen früh geweckt – mit 15 Jahren hatte ich dann die schwedische Jagdlizenz in der Tasche. Zum sportlichen Schießen kam ich dann auch wiederum über die Jagd. Ich wollte unter allen Umständen bestmöglich treffen, deshalb habe ich häufig auf unserem lokalen Schießstand geübt. Dort fand dann irgendwann ein Wettkampf statt, zu dem ich eigentlich gar nicht angemeldet war. Spontan durfte ich mitschießen. Am Ende des Tages hatte ich dann die höchste Punktzahl erreicht.

»Auf unserem Schießstand fand ein Wettkampf statt, zu dem ich eigentlich gar nicht angemeldet war. Spontan durfte ich mitschießen – und erreichte die höchste Punktzahl«

Was waren deine größten Erfolge beim Sportschießen?

Alm: Die Silbermedaille in der Disziplin „Laufender Elch“ bei den nordischen Meisterschaften des Combined Game Shooting 2017. In der Gesamtwertung schaffte ich den 5. Platz – von rund 140 der besten Schützen aus Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark.

Was ist dein nächstes Ziel?

Alm: Die Europäischen Meisterschaften im Combined Gameshooting – auch hier würde ich gern auf dem Treppchen stehen.

Vom Wettkampf zur Jagd – was war dein schönstes Jagderlebnis?

Alm: Ein Highlight war die Erlegung meines ersten Elches: Ich war unterwegs mit zwei anderen Jägern und einem Jämthund. Nach einigen Stunden zog Elchwild auf mich zu. Kurz vor meinem Stand trennte sich die Gruppe. Einige drehten ab, aber ein starker Schaufler steuerte weiter direkt auf mich zu. Zwischen zwei Bäumen verhoffte der Bulle. Er stand breit. Als das Blatt frei war, schoss ich. Überglücklich stand ich dann vor einem Schaufler mit zwölf Enden – für diese Region ein wirklich starker Bulle. Die Elchjagd finde ich generell extrem spannend. Dabei steht für mich immer das Erlebnis im Vordergrund, wie bei meinem Sechser-Schaufler, den ich mit einem sauberen Schuss aus meiner S 404 erlegt habe.

Welche Jagdart gehört sonst noch zu deinen Favoriten?

Alm: Die Pirsch auf Rehwild im Sommer. Nach der Arbeit gehe ich oft in den Wald, genieße die frische Luft, glase die weiten offenen Flächen meiner Heimat in Südschweden ab und pirsche das Wild dann an. Das Gefühl, durch diese ursprüngliche Jagdart ein Teil der Natur zu werden und die innere Ruhe wiederzufinden, ist einfach unbezahlbar. Es geht mir dabei auch nicht primär um den jagdlichen Erfolg, sondern vielmehr ums Entspannen. Ich sehe es als echtes Privileg an, mir mein Gewehr zu schnappen und auf die Jagd zu gehen.

Für viele Jäger ist ja das freihändige Schießen, insbesondere das Flüchtigschießen, eine Herausforderung. Hast du ein paar Tipps?

Alm: Das Wichtigste ist definitiv das regelmäßige Trockentraining und eine Waffe, die perfekt zum Schützen passt. Wenn möglich, trainiere ich jeden Abend nach der Arbeit. Dazu suche ich mir ein markantes, möglichst kleines Ziel. Das versuche ich dann möglichst sauber zu „erlegen“. Natürlich nur mit ungeladener Waffe! Und wie sieht das Training im Detail aus? Hast du vielleicht einen „laufenden Elch“ im Garten? Alm: (lacht) Nein, dafür habe ich leider keinen Platz. Aber den braucht man fürs Üben auch nicht. Gerade verlaufende Linien im Raum reichen vollkommen aus und sind perfekt, das Schießen in Bewegung zu trainieren. Das können beispielsweise Tischkanten oder Bodenleisten sein, auf denen ich eine Markierung, wie beispielsweise einen Bierdeckel anbringe. Ich versuche möglichst präzise diese Linien abzufahren und ziehe den Abzug dabei in einer konstanten Bewegung durch, sobald ich im Ziel – in diesem Fall dem Bierdeckel – bin.

Die Jagd in der schwedischen Heimat hat für Rikard einen hohen Stellenwert. Er ist bei jedem Wetter draußen.
Rikard ist bei einem schwedischen Baumaschinenhersteller in der technischen Abteilung angestellt. Mit der Technik seiner SAUER 404 kennt er sich ebenfalls bestens aus.
Üben bringt Medaillen. Der 31-Jährige mit seiner S404 SYNCHRO XT.

Was muss man denn beim freihändigen Schießen beachten?

Alm: Auch dafür absolviere ich ein regelmäßiges Trockentraining. Zunächst stelle ich mich bequem in Richtung Ziel. Beim Büchsenschießen strecke ich die Knie durch, damit sie „verriegeln” und die Muskulatur entspannt ist. Ins Ziel gehe ich dann immer von unten. Bevor ich mich dem Ziel nähere, übe ich schon gleichmäßigen Druck auf den Abzug aus, habe dann wahrscheinlich schon das halbe Abzugsgewicht überwunden. Sobald ich mich von unten dem Ziel nähere, löse ich den Schuss in einer konstanten Aufwärtsbewegung. Das gibt deutlich mehr Stabilität als das Herumrühren auf der Zielscheibe. Probier es beim nächsten Schießstandbesuch einfach aus!

Rikard mit seiner Lieblingswaffe, der S404 Synchro XT. Er schätzt vor allem die höhenverstellbare Schaftbacke und den einstellbaren Abzug an ihr.
Auf der Schießbahn bei SAUER plaudert Rikard aus dem Nähkästchen und schießt freihändig auf die Scheibe. Ein solcher 5-Schuss-Streukreis auf 100 Meter ist dank intensiven Trainings und passendem Werkzeug für Rikard keine Ausnahme.

Und wie sieht es beim Flüchtigschießen aus?

Alm: Die gleiche Technik: Ich überhole das Ziel von hinten bis ich den Haltepunkt für das richtige Vorhaltemaß erreicht habe. Auf dem Haltepunkt verfolge ich das Ziel und erhöhe den Druck auf den Abzug, bis mich der Schuss überrascht. In der Bewegung sind Oberkörper und Arme steif, die eigentliche Bewegung kommt nur aus der Hüfte.

Weshalb ist ein perfekt zum Schützen passendes Gewehr in deinen Augen so wichtig?

Alm: Durch das Training werden meine Waffe und ich eine Einheit. Das Gewehr muss sich mir anpassen und nicht umgekehrt. Meine 404 Synchro XT kann ich perfekt auf mich und die jeweilige Disziplin abstimmen. Das fängt bei der höhenverstellbaren Schaftbacke an und hört beim Abzug auf. Die Kopfhaltung und die benötigte Schafthöhe variieren – je nachdem, ob ich liegend, stehend oder sitzend schieße. Dank der höhenverstellbaren Schaftbacke kann ich das Gewehr genau auf mich und die jeweilige Disziplin einstellen.

Nutzt du bei der 404 auch die Möglichkeit den Abzug anzupassen?

Alm: Na klar! Ich habe meinen Abzug meistens auf 750 Gramm eingestellt. Für das Longrange Schießen favorisiere ich jedoch die 550 Gramm Abzugsgewicht. Die 1000-Gramm-Einstellung hingegen liebe ich für Drückjagden; sie bietet mir einfach mehr Sicherheit und Kontrolle. Hinzu kommt, dass einige Wettkämpfe mindestens 1000 Gramm Abzugsgewicht vorschreiben. Der blitzschnell einstellbare und staubtrocken stehende Abzug der SAUER 404 war ein entscheidendes Kaufkriterium für mich!

Welche Kaliber schießt du?

Alm: Für das jagdlich-sportliche Schießen und die Jagd auf Rehwild schieße ich die .223 Rem. und die 6,5×55. Für die Jagd auf Elch greife ich zur 8x68S. Das Kaliber ist auch für die Auslandsjagd meine erste Wahl. Die schnelle Laufwechselmöglichkeit bei der SAUER 404 ist klasse – ich brauche nur einen Schaft, ein Zielfernrohr und ein System, habe aber immer mehrere Kaliber zur Verfügung.

Wie schaffst du es, konstant gute Ergebnisse unter Wettkampfbedingungen abzurufen?

Alm: Ruhe, Ruhe, Ruhe. Vertrauen in sich und die Waffe sind die Grundvoraussetzungen – das gibt die nötige Ruhe und Gelassenheit, selbst in stressigen Situationen.

Wenn du dich entscheiden müsstest zwischen Jagd oder Sportschießen – welches ist dein Favorit?

Alm: Puh, bei mir sind Jagd und Sportschießen so eng miteinander verknüpft, dass ich weder ohne das eine noch das andere leben kann.

Der junge Schwede im Anschlag. Die höhenverstellbare Schaftbacke sorgt nicht nur für eine entspannte Kopfhaltung, sie zentriert außerdem das Auge direkt in der optischen Achse des Zielfernrohrs.
Auf der Jagd nach Wildbret – Wild sauber und waidgerecht zu erlegen, das spielt für Rikard eine wichtige Rolle.

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