Der Natur verbunden


Text: Sarah Olitzsch, Fotos: MINOX

Der Wunsch meines Vaters war es, dass ich irgendwann in seine Fußstapfen als zufriedener Jäger trete. Inzwischen besitze ich meinen Jagdschein seit sieben Jahren, habe mein Abitur und meine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beendet. Zusammen mit meinem Verlobten und unseren fünf Hunden lebe ich in der Altmark in Sachsen-Anhalt. Ich bin gerne draußen in der Natur, mit der ich mich sehr verbunden fühle. Ob mit oder ohne Waffe. Ob mit anderen Menschen oder alleine. Im Regen, bei Schnee oder im Hochsommer. Jägerin zu sein ist eine Leidenschaft, die mein ganzes Leben beeinflusst und mich stets und überall begleitet.

Jagd bedeutet so viel mehr. Wir betreiben aktive Hege und Pflege, schaffen neue Lebensräume, tragen zum Artenschutz bei, helfen den Tieren in extremen Notsituationen und wir ehren umso mehr das selbst erlegte Wild, welches ein wertvolles Lebensmittel ist. Wenn bei uns die Gemeinschaftsjagden im Terminkalender stehen, sei es ein Sammelansitz oder eine Treib- oder Drückjagd, fiebere ich diesen immer mit großer Freude entgegen. Oft trifft man viele Freunde und Bekannte wieder. Man tauscht seine Erfahrungen und Erlebnisse untereinander aus, hat zusammen Spaß. Es ist eine Gemeinschaft, die zusammen­hält. Schon als kleines Mädchen hing ich am grünen Lodenzipfel meines Vaters, wenn die Jäger sich vor und nach den Jagden sammelten. Wenn ich genauer darüber nachdenke, freuten sich sogar alle über diesen seltenen Anblick. Auch heute werde ich als Frau bei den gemeinschaftlichen Jagden stets freundlich empfangen und selbstverständlich aufge­nommen. In meiner Region gehören Jägerinnen zum festen Bestandteil der Jagd, worüber ich sehr froh bin. Schlechte Erfahrungen oder gar Ausgrenzung habe ich noch nie erlebt.

Vor drei Jahren habe ich dann die Jagdhundeausbildung für mich entdeckt. Infolgedessen zog unter anderem ein wasch­echter Dackelmann bei uns ein, den ich als meinen ersten eigenen Hund schon auf einigen erfolgreichen Prüfungen führen durfte. Seit zwei Jahren bin ich Teil unserer regionalen Stöberhund­gruppe. Nichts macht mir so viel Freude, wie mit den anderen passionierten Rüdemännern, welche mittlerweile ein fester Bestandteil meines Freundeskreises sind, und unseren vier­beinigen Begleitern unserer Leidenschaft nachzugehen. Wir durchleben zusammen die Höhen und Tiefen des Hunde­führens. Wird ein Hund verletzt oder verunglückt tödlich, sind wir alle füreinander da und weinen miteinander. Haben Hunde eine kranke Sau gebunden, wird diesen geholfen, egal ob es die eigenen sind oder nicht. Einer für alle, alle für einen. Solch einen Zusammenhalt kannte ich vorher noch nicht und bin sehr froh, diese Erfahrungen machen zu dürfen, und zwar immer wieder aufs Neue.

Mehr über Sarah und ihre Jagd gibt‘s auf Instagram: raeubertochter_96